Auflösung zum pflanzlichen Wolpertinger

Mal ehrlich, wer hat die Geschichte geglaubt? Ja, es gibt Mischwesen im Pflanzenreich und im speziellen Fall sprechen wir von sogenannten „Pfropfchimären“. Das Pfropfen ist eine spezielle Art der Veredlung, der Begriff wird aber auch synonym für andere Veredlungsarten bzw. als Überbegriff verwendet. Im Normalfall bildet bei Veredelungen, wie man sie z.B. von Apfelbäumen kennt, ein Teil die Unterlage und der andere Teil die Edelsorte. Beide Partner sind zwar miteinander verwachsen und bilden eine Einheit, doch die unterschiedlichen Zellschichten sind voneinander getrennt. Also: Unterlage bleibt Unterlage und Edelsorte bleibt Edelsorte, aber es ist nach der Veredlung eine Pflanze. Im gartenbaulichen Sinne sind unter dem Begriff „Chimäre“ nicht die Veredelungen selbst gemeint, sondern der Spezialfall, bei dem sich die Zellschichten ausnahmsweise durchmischt haben. Im Endergebnis können dadurch Pflanzen entstehen wie z.B. der angesprochene Goldregen, der dann beide Blütenfarben an unterschiedlichen Zweigen zeigt. Darüber hinaus gibt es auch z.B. Periklinalchimären, welche durch Mutation entstehen und zwei genetisch ähnliche, aber doch unterschiedliche Pflanzen, in- und miteinander vermischt sind. Ausprägungen dieser Art können z.B. bestimmte bunte Blüten oder Blätter sein, was aber nicht generell für bunte Blüten gilt. Wichtig ist zu wissen, dass mit Chimären nicht normale Hybriden, also Kreuzungen von verschiedenen Sorten, gemeint sind. Kurz gesagt: Bei einer Chimäre schlüpft eine Pflanze unfreiwillig, aber zur Freude des Gärtners, in eine andere Pflanze und zeigt die Merkmale von beiden.